Platz fürs gute Händchen…Vorderschäfte ala carte?

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So viele Gedanken sich potentielle Flintenkäufer über Ihre neue Waffe machen, um so individueller auch die seit Jahren wachsende Konfigurationsmöglichkeit von Flinten geworden sind, ein Teile der Flinte wird immer weniger beachtet.

Wird beim Hinterschaft intensiv überlegt und probiert wie lange er sein muß, welche Senkung ideal ist und welche Schaftkappe hübsch und gleichwohl praktisch ist, so wenig wird heute über den Vorderschaft nachgedacht.

Das war nicht immer so.
Alte Hasen des Flintengeschäftes kennen die Fragen nach Biberschwanz, Halbbiberschwanz und nach Jagdschaft mit Nase, die in den 70er Jahren aufkamen und bis ca. vor 15 Jahren noch selbstverständlich jedes Verkaufsgespräch begleiteten.

Heute hat sich die Frage nach dem Vorderschaft fast erübrigt, da inzwischen das Programm der Hersteller egalisiert wurde.
Schlanke Vorderschäfte mit Schnabel/Nase oder die puristische american Form dominieren heute den Flintenbau der BDFs.
Sie sind für alle Handstellungen gleich gut geeignet, haben eine schmale elegante Silhouette und sind optisch unauffällig.

Allein bei einigen Sportvarianten werden noch die früher zu jeder Sportwaffe gehörigen Biberschwanzschäfte angeboten.

Sie werden aber schon fast als exotischer angesehen, wie die Splintervorderschäfte der DFs
Selbst bei der SLF mit ihrem Innenleben von Magazin und Gasgestänge wird Wert auf die gleiche „Flächenutzung“ zur Handauflage, wie bei einer Durchschnitts BDF gelegt.

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Einige Büchsenmacher haben indess eine Marktlücke entdeckt und bieten Vorderschäfte an, die in Umfang und/oder Form der Führungshand angepasst sind.
Auch Vorderschäfte mit Fingerrillen ,wie man sie von KW-griffen kennt,werden angeboten.
Die Nachfrage hält sich derzeit in Grenzen, sehen diese sogn. „ergonomischen“ Teile doch schon sehr gewöhnungsbedürftig aus.
Dennoch ist ist zu begrüßen,dass dieser Teil der Waffe nicht ganz der Lego-Baukasten-
Methode und des voralpenländischen Einheitsdenkens der Lageroptimierung zum Opfer gefallen ist.

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Dabei ist die Wahl des Vorderschaftes nicht gänzlich unwichtig.
Der feste Griff und die spielerische Führung der Flinte mit der linken Hand wird nur dann möglich sein, wenn die Größe des Schaftes und sein Querschnitt zur Schützenhand passt.

Dies ist besonders bei Personen zu bedenken, die viel mit ihren Händen arbeiten und somit die Form und Größe ihrer Hände verändern.

Bei so manchem Handwerker kommen die schlanken Tulpenschäfte nicht recht in Schwung. Kaum hat er einen breiten Sportschaft in der Hand fühlt er sich sofort besser.

UND : manchmal ist auch die Feile angesagt, wenn die fabrikmäßigen Sportschäfte zu breit sind ,aber dennoch das Profil mit laufparalleler Griffrille bevorzugt wird.

Passen die Standardmaße nicht, so steht der Anpassung nichts, nicht mal große Kosten, im Wege.

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Eine gerade Fläche innerhalb der Hand (siehe Bild 3) dient als optimale Auflage und Unterstützung.
Die Lage der Finger (Bild 4) ergeben je nach Gusto mittels Deutgriff und ausgestrecktem Zeigefinger oder Klammergriff die ganz individuelle Führung und das Feingefühl für den Schwung.

Die Hand sollte entspannt sein und gleichzeitig unverkrampft die Waffe halten und führen können.

Zum Unterschied der Griffvarianten:
beim Deutgriff sugeriert der ausgestreckte Zeigefinger ein Deuten aufs Ziel.Die Hand erhält mehr Auflage über Mittelfinger und Ringfinger.Die Hand wird nach vorne gestreckt bei wenig Biegung im Gelenk.
Beim Klammergriff wird ein optimum an Kraft umgesetzt da, der Schaft durch die stärksten Hand und Fingermuskeln unterstützt/gehalten/geführt wird.Das Handgelenk wir steiler abgewinkelt.

Welcher Griff besser,welche der zig Varianten davon richtig ,falsch oder ideal ist????…
…richtig ist was gefällt und den Schützen die Waffe sicher und kontrolliert führen lässt.

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Das wird bei den meisten Menschen durch einen schlanken Schaft, in relativ universellen Maßen, erreicht.
Wie die Bilder mit den Größen zeigen, sind die Unterschiede innerhalb einer Waffenreihe relativ unerheblich.
Auch zwischen den einzelnen Herstellern sind Variationen sehr gering.
Ob BDF oder Selbstlader…man hält sich an ein wohl universelles Maß zwischen 42 und 47 mm Breite.

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Doch die Regel kennt die Ausnahme und die kommt in Form des mit einer breiten Unterlage und schmalen Fingermulde ausgestatteten „ Beavertails“ oder Biberschwanzvorderschafftes.
Seine Ursprünge liegen in den Sportwaffen der USA, als diese noch ihre Läufe nebeneinander hatten,
Um eine gute Führung zu erreichen, Gewicht zu addieren und vor allem zu verhindern ,dass sich der Schütze am Lauf die Finger versengt, statteten viele US Flintenbauer ihre Waffen mit breiten und an den Seiten hochgezogenen Vorderschäften aus.
Typischen Beispiel sind die Flinten Modelle 21 der Fa. Winchester oder Parker.

Die Beliebtheit dieses Vorderschaftes wurde dann auch auf die BDFs übertragen und nach kurzer Zeit gab es keine Sportflinte für Trap oder Skeet mehr, die nicht über den Biberschwanz verfügte.
Bis heute sind dies Schäfte bei den Sportflinten vieler Hersteller im Angebot.

Der Vorteil dieser breiten Handauflage ist sicher ein subjektiver.
Aber die Führung scheint nach Meinung vieler Benutzer dieser Schäfte kontrollierter , der Schwung durch das Mehr an Gewicht und Masse etwas ausgewogener.
Oft findet man diese Schäfte auch noch an relativ kurzläufigen Flinten.
Deren Besitzer behaupten damit die gleiche Schwungdynamik zu haben, wie mit einer 1 Zoll längeren Flinte.
Sicher eine gewagte Behauptung, die allerdings, da subjektiv vom Schützen so empfunden, nicht widerlegt werden kann.
Vertrauen wir also wieder auf unseren „inneren Schweinhund“ der uns bei der Flintenauswahl helfen sollte, auf dass auch er mal was Gutes vollbringe. 😉

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Eine besondere Art des Vorderschafftes findet sich bei DFs.
Ein kaum merkliches Stück Holz verdeckt dort wichtige Technik unter dem Lauf und soll auch noch schön aussehen.
Nun,… in der Minimalistik der Formgebung des Doppelflintenbaus liegt der wahre Reiz dieser Waffen, die in keiner technischen Eigenschaft BDFs das Wasser reichen können…außer eben, in ihrer unvergleichlicher Eleganz und der dadurch vereinfachten Balance der Waffen.
Doch der Nachteil ist immens:
Verbrannte Finger vor denen man sich mit Handschuhen oder hässlichen Ledermanschetten schützt…
Kein Platz für lange Finger oder große Hände, kaum Führung, aber eben dieser Hauch von Stil…

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Wie sehr auch bei der Wahl des Vorderschaftes , jenseits der Ästhetik, die praktische Auswahl stehen sollte, zeigen die nachstehenden Bilder, in denen mit einem vom Maß idealen und vom Schützen als bequem empfundenen Vorderschaft (oben) auch die anderen Extreme, wie der zu große Beavertail oder der zu kleine Splinter, demonstriert werden .

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Die Auswahl der Flinte ist, irgendwo hatte ich das doch schon mal gesagt???? 😉 ,…
….eine ganz und gar individuelle Sache!
Also nehmen Sie sich auch für den Vorderschaft die Zeit mal rumzuprobieren.
Schrecken Sie auch nicht davor zurück, Ihren Vorderschaft schmaler machen zu lassen;
… auch auf die Gefahr ,dass sie so was wertvolles wie eine Fischhaut verlieren… 😉
Zu diesem Thema und der überschätzen Schnitz und Prägearbeit an Flintenschäften gibt’s was in einem der folgen Blogs.

Das gute Führungshändchen wird’s Ihnen mit ermüdungsfreiem Schwung und einigen Treffer mehr danken.

Bunduki

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5 Kommentare zu Platz fürs gute Händchen…Vorderschäfte ala carte?

  1. Nathalie Oldenburg sagt:

    Es ist immer wieder ein Genuss, was fachgerechtes und interessantes und logisches usw. usw. über eines meiner Lieblingshaustiere (Die Flinte, das andere ist mein Volvo XC60) zu lesen. Und es macht Spaß, immer wieder nachzudenken.

    Und in diesem Falle, nach Messen der Handlinien, festzustellen, dass meine Lucy (Marocchi Zero 3 Black) exakt die etwas längere Pranke von mir mit ihre 45 mm exakt trifft 🙂

  2. Bunduki sagt:

    Die Flinte als Haustier?
    mit Namen,persönlichem Freiraum und Charakter ala katze oder Springmaus… HERRLICH…!
    Ganz neue Blogs tun sich da auf!
    Me and my pet on the way to eternity!

    What my pet shotgun always wanted to say!

    Jetzt hast mich auf den geschmack gebracht…
    Noch ein zwei famous grouse und ich spinn die ganze Nacht so’n famosen quatsch…

    Grüße an Lucy

    Alex

  3. Bunduki sagt:

    Und nochwas:
    besser Handlinien messen als lesen…
    das eine ist Flintenwissenschaft
    ,das andere Hokus Pokus

  4. Nathalie Oldenburg sagt:

    „What my pet shotgun always wanted to say“

    Eigentlich sagt sie normalerweise ziemlich wenig.

    „Klick“ und „Klack“ sagt zu mir beim Brechen und Spannen, „Puff“ sagt sie zu der Taube (Pardon: Wurfkeramikscheibin, um politisch korrekt zu sein), und beim Putzen sagt sie „Hoooooarrrrh“ zu der BoreSnake beim Herausziehen.

    Ich sage schon viel mehr zu ihr. Am Stand sage ich im Allgemeinen „Schön hast du’s g’macht, Lucy“ wenn die Wurfkeramikscheibin sich fernzerbröselt, und „Entschuldige, Lucy, das habe ich versaut“ wenn die Tröte erklingt.

    Beim Putzen zu Hause bespreche ich dann mit ihr die Ergebnisse einzelt, während sie mit Balistol, Vaseline und Lappen behandelt wird (bei dem BoreSnakeStadium sage ich nichts, es schickt sich nicht mit ihr zu reden wenn sie das Maul voll hat und nicht antworten kann).

    Ja, ich bin bekloppt.

    Und nein, das hat doch auch wirklich Sinn: Beim Repetieren der Geschehnisse zu Hause siest du deine Fehler noch einmal, und daraus kann man lernen…

    Grüße werden heute Abend gleich übermittelt 🙂

    LG Nat

  5. Bunduki sagt:

    Mit Flinten reden…? na ja…???

    Scheint vielleicht nicht so schlimm zu sein, mit einer Flinte zu reden…haarig wird’s, wenn sie antwortet.

    Also vorsicht 😉

    Lieber Geld beim Büma lassen als in der Apotheke.

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