Stahlschrot Information


Der Weg zur Verwendung von Stahlschrot ist unumkehrbar.
Immer mehr Länder bestehen darauf, Jagdgesetzreformen beinhalten das teilweise, oder komplette Verbot von Bleischrot.
Zusätzlich werden auch immer mehr Schießstände zur exklusiven Stahlschrotverwendung gezwungen.

Hier soll weder Pro und Contra,noch der tatsächliche Nutzen oder Schaden von Blei oder Stahl erläutert oder diskutiert (ohnehin zu spät),sondern die wichtigsten Fakten aufgezählt werden, die für den Nutzer jagdlich oder sportlich beim Einsatz und bei der Wahl seiner Waffe relevant sind.
Zunächst sei darauf hingewiesen dass „STAHL-Schrot“ ein ungenauer Begriff ist, der sich zwar umgangssprachlich durchgesetzt hat, dennoch aber an der Sache vorbei geht.
Es handelt sich korrekter Maßen um WEICHEISEN-Schrot, weshalb hier weiterhin von WE Schrot die Rede sein wird.

Markante Unterschiede des WE Schrotes zu Blei(PB)Schrot:
– Niedrigeres spezifisches Gewicht

– Höhere Härte

Daraus resultieren:
-Bei gleicher Vorlage und Korngröße mehr Kugeln

-Höhere Durchschlagskraft ABER:

-geringere Auftreffenergie des einzelnen Schrotkornes (ca. 30%weniger)!!!

-Schnellerer Geschwindigkeitsverlust

-Erhöhte Gefahr von Abprallern

-Beim Schuss mit WE entstehen im Lauf keine Verklumpungen oder Verformungen der einzelnen Schrotkörne oder der kompletten Garbe , was zum Ausschluss von Randschroten führt.

-Höhere Brechkraft bei Tontauben, aber eine geringere Tötungswirkung, da das einzelne WE-Korn zwar hart ist (Brechkraft) aber somit die Energie nicht durch die Auftreffverformung an den Wildkörper abgibt (höhere Eindringtiefe).

-Engere Deckung

Technische Unterschiede:
– Um eine ähnliche oder gleiche Leistung wie Blei(PB)Schrot zu erreichen, muss die Patrone mit angepasstem Pulver geladen werden, um eine passende Druckkurve im Lauf zu generieren.
– Ferner müssen die Zwischenmittel angepasst werden, um keinerlei Berührung des Schrotes mit dem Lauf zu gewährleisten.
– Waffenseitig muss sowohl der amtliche Beschuss die Waffe für eine verstärkte Ladung freigeben, als auch durch den Schützen sichergestellt sein, dass die verwendete Würgebohrung (i.E.CHOKE) an die WE Patrone angepasst ist.

Verwendungsrelevante Unterschiede:

Jagdlich:
– Um die Tötungswirkung von WE dem der Bleipatrone anzupassen, sollte die Korngröße um mind. eine Stufe vergrößert werden.
zu beachten: das einzelne WE-Schrotkorn gibt durch seine größere Härte weniger Energie ab als ein gleichgroßes Bleikorn!!! Dadurch sinkt die Fähigkeit der Treffergarbe genügend Schockwirkung (Energie) abzugeben.

– Anzuraten ist somit auch eine höhere Vorlage! Dies führt aber zwangsläufig zur Verwendung von Patronen mit höherem Gasdruck als dem Standarddruck.
– Für diese Patronen (Magnumladung mit und ohne verlängerter Hülse) ist ein verstärkter Beschuss notwendig und vorgeschrieben!
Zwar gibt es WE-Jagd Patronen mit „Normaldruck“, doch wird die beste jagdliche Leistung (i.E.Tötungswirkung) durch Patronen mit verstärkter Ladung erbracht.

Sportlich:
– Die durch die Standordnung vorgegebenen Schrotgrößen und Vorlagen (i.E.24 g bis 28 g Vorlage) und die daraus resultierenden WE-Sportpatronen, benötigen keinen besonderen Beschuss.
Allerdings sollte der Choke auf die unterschiedliche Deckung, welche i.d.R. enger als bei Blei ist, angepasst werden.

Verbindliche Information erhält man bei den Beschussämtern!
Das Beschussamt Ulm hat eine hervorragende Tabelle zur Verfügung gestellt, welche jeder weitere Diskussion am Stammtisch, am Verkaufstresen und in Foren ein für alle Mal beendet.
STAHLSCHROTVERWENDUNG

Beschusszeichen:
PDF link zur DSB-Sammlung Beschußzeichen

KORREKTE KENNZEICHNUNG VON WAFFEN

Neue EU Beschußzeichen
Beschusszeichen_Neu

AT Bundesgesetzblatt:
BGBLA_2013_II_444

Wie aus der Tabelle zu ersehen ist, sind Schrotgröße, Würgebohrung(Choke) und Gasdruck die bestimmenden Elemente für Beschuss,Zulassung und Nutzung.
Daran muss sich jeder Flintennutzer richten!…denn nur bei Einhaltung der einzelnen Eckdaten macht der Beschuss, der uns vor Gefahren schützen soll, Sinn.

– VERSTÄRKTER BESCHUSS: kennzeichnet alle Waffen, die den vorgegebenen Gasdruck entsprechen, der WE Schrotpatronen mit verstärkter Ladung benötigt wird.

– NORMALBESCHUSS: kennzeichnet alle Waffen, die den vorgeschriebenen Gasdruck entsprechen,der für WE-Patronen mit normaler Ladung benötigt wird.

– STAHLSCHROTBESCHUSS (Lilienstempel) besagt ,dass die Waffe ZUSÄTZLICH zum VERSTÄRKTEN Beschuss mit Würgebohrungen (Choke) halb und/oder weiter gesondert beschossen wurde.
Letzterer wird bei Flinten mit Wechselchokes oder Festchokes gleich oder >1/2 im Auftrag des Herstellers, Importeurs, Büchsenmachers, Händlers oder auch Besitzers durchgeführt.
Der Stahlschrotbeschuss verliert aber seine Sinnhaftigkeit, wie auch seine Gültigkeit, wenn Waffen mit Chokes <1/2 (enger als Halbchoke) und mit nicht konformen Schrotgrößen verwendet werden, somit nicht nach den Richtlinien der o.g. Liste des Beschussamtes benutzt werden. D.h.: der Nutzer wird nicht aus der Verantwortung und Haftung, für die korrekte Benutzung seiner Waffe und der Munition, entlassen! Aus diesem Grund verzichten einige Waffen-Hersteller auf den, zum verstärkten Beschuss zusätzlich durchzuführenden Stahlschrotbeschuss, ihrer Produkte. Die Waffen mögen deswegen nicht weniger sicher sein , da es letztendlich innerhalb der Verantwortung des Nutzers liegt, die korrekte Choke-Patronen-Körnungs-Ladungs-Kombination in seiner verstärkt beschossenen Waffe zu nutzen. Die rechtliche Konsequenz ist derzeit aber noch nicht geklärt oder hinterfragt worden. Der Begriff "STAHLSCHROTBESCHOSSEN" und das Lilie-Symbol , kann aber m.E. als zusätzliches Service-Merkmal oder Verkaufsargument, gesehen werden. Der Begriff STAHLSCHROTTAUGLICH wird leider sehr inflationär(und irreführend) benutzt. Besonders in Internetangeboten, werden auch alte Flinten mit engen Fests-chokes als „stahlschrottauglich im Rahmen der Beschussrichtlinien“ angeboten. VORSICHT bei dieser Art von Angeboten handelt es sich i.d.R. um üble Trickserei per Wortklauberei , um alten Schrott zu verticken. Als „Stahlschrottauglich“ ist eine Flinte dann anzusehen, wenn alle Vorlagen und Schrotgrößen (Körnungen) bei verstärktem Gasdruck und mit Chokes gleich und >1/2 verwendet werden können.

MUNITION:
Es ist darauf zu achten, dass die verwendeten Patronen korrekt gekennzeichnet sind:
Angaben zu Normaldruck oder verstärktem Druck und die CIP Stempel MÜSSEN angegeben sein.
CIP Homepage
ACHTUNG:
WE-Patronen OHNE CIP Stempel sind ein Verstoß gegen geltendes Waffenrecht und dürfen weder besessen (außer Sammler), noch verwendet werden!
Selbst- oder wiedergeladene Patronen sind nutzbar, wenn Sie die Druck- und Beschussrichtlinien einhalten.
Eine Prüfung durch Beschussamt oder Defa sollten obligat sein!
Das Wiederladen von WE Patronen ist aber eine heikle Angelegenheit, bei denen sogar die Komponentenhersteller besonders vehement auf die Einhaltung der Ladeangaben dringen, da Abweichungen und kleinste Variationen gefährliche Druckveränderungen hervorrufen können.

Nachträglichen Beschuss von älteren Flinten:
Ist möglich, wenn die Waffe Chokes gleich und > ½ hat und vom Gesamtsystem auch Magnumladungen (auch bei Standard-Patronenlängen)vertragen kann.
Allerdings rechnet sich der Aufwand i.d.R. nicht ,besonders wenn z.B. Chokes aufgerieben werden müssen ,oder Wechselchokes eingebaut werden sollen.
Das Risiko beim Beschuss trägt immer der Auftraggeber!

CHOKES
Markenchokes tragen grundsätzlich eine Kennzeichnung der Verengung für WE UND Blei !
Sie fallen nicht unter das Beschußrecht.Somit sind die Herstellerangaben mit den Richtlinien der CIP Beschußämter abzugleichen.

SPEZIALCHOKES:
– Titanchokes
– Ultrathin chokes
– Turkeychokes
– Polychokes und Derivate (verstellbare Lamellen-Chokes)
– Aluminiumchokes (auch „beschichtete“)
eignen sich i.d.R. nicht für WE Schrot!

US WAFFEN und MUNITION
Weit weg ist alles anders, aber nicht unbedingt besser.
Die USA sind KEIN Mitglied des CIP Abkommens und haben gänzlich andere Beschußregeln.
Diese werden für Waffen und Munition von der SAAMI geregelt.
Aufgrund der unterschiedlichen Testanordnungen und Bestimmungen darf in DE keine Waffe oder Munition benutzt werden,die lediglich den SAAMI Stempel trägt.
Ebenso ungültig sind Hersteller Kontroll Stempel !

ALTERNATIVEN zu WE-SCHROT
Es wird viel geforscht und relativ wenig erreicht und noch weniger schafft es auf den deutschen Markt.
Einzig die mit Wismuth-Schrot versehenen Patronen bieten die fast gleiche Ballistik und Wildwirkung wie Blei an.
Allerdings sind sie extrem teuer und somit nur für den Einsatz alter und kostbarer Flinten geeignet, die doch noch mal die Jagd erleben sollen, bevor sie ihr Dasein in der Vitrine beenden.

DECKUNG der Waffe mit WE SCHROT:
Deckung und Verteilung der Schrote auf unterschiedliche Weiten, sollte der verantwortungsbewusste Jäger und ambitionierte Sportschütze beim Umstieg (auch beim sporadischen) vorher austesten.
WE Munition ist ebenso wie Blei Munition von Fabrikat und Vorlagen, Komponenten und
Verhalten in der Waffe sehr individuell zu beurteilen.
eine einfache Software und App dazu: Targettelemetrics

Weitere nützliche Grunddaten zum Flintenschießen finden man hier.

BUCHEMPFEHLUNGEN:
Wer mehr über die Entwicklung und Aussichten zu alternativem Schrot wissen möchte,dem seine zwei Bücher empfohlen:
The Gun Digest Book of green Shooting von Rick Sapp
und die Bibel der Schrotballistik mit einer Fundgrube an Leistungs-Tabellen:
Shotshells and Ballistics von John Taylor

Ob wir wollen oder nicht, was immer wir für Argumente Pro oder Contra Blei haben, die gesetzlichen Gegebenheiten sind nicht weg zu diskutieren.
Auch mit WE wird es Jagd und Sport weiter geben, wenn Jäger und Schützen sich kompetent und informiert der Herausforderung stellen.

Alle Angaben ohne Gewähr.


so ein Schild wird bald Seltenheitswert haben!

Quellen der links:
Beschußamt Ulm
CIP
DEVA
DSB
Flintenblog
Shotgun insight com
Da es sich um ein Rechts- und Versicherungs-relevantes Thema handelt, übernehmen wir keine Gewähr und Verantwortung für die Angaben und verweisen auf die zuständigen amtlichen Stellen i.E. Beschußämter

lord1

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