Lauflängen und Schwung … was ganz persönliches

spec-mittlere-webansicht-mittlere-webansicht.jpg

img_3375exp-mittlere-webansicht.jpg

Mir erscheinen GEZ Gebühren schlicht überflüssig.
Was soll ich mich vor dem TV an den Possen von Urban Priol und Herrn Late-Night-Schmidt
erfreuen ,wenn’s ohne Obulus an die Pensionskasse untertalentierter TV-Redakteure auch geht.
Wie?
Ein Ausflug ins nächste Zentrum des Jagd- und Sportfachhandels genügt .

Da stand ein Jägersmann, reichlich 45 Jahre , ca.1,75 und mannsgerechte 110kg im Laden und tauschte seinen in Ehren ergraute DF nun in ein stahlschrottaugliches Hightec- Flintensportgerät des 21 Jh.
Beraten und betreut wurde er von einem, knapp den Baggiepants entwachsenem Service- Assistant-Executive,dessen Clearasil-klare Stirn in versuchsweise Falten gelegt war ,bei der Anstrengung,dem „Customer“ die Vorzüge der Waffe korrekt aus dem auswendig gelernten Werbefaltblatt zur reklamieren.

Natürlich wurden dem Kaufinteressenten auch fachgerecht die Schaftmaße abgenommen,…natürlich mit der bewährten Ellenbogen Zeigefinger-methode ,die schon Winnetou und Ranger von Ihrem sächsischen Lügenbold gelernt hatten.

Bemerkenswert wie Company-minded der Bling-Community gestählte Fachverkäufer, die Vorteile des Schießgerätes aufsagte und immer wieder auf die wunderbare Ausgewogenheiten der genialen Waffe zu sprechen kam ,…die man natürlich ,sollte sie nicht konvinieren, mittels allerlei twentyfirst- century-Schnick-Schnack, aufs einfachste abändern könnte.

Dann kam es, wie es immer kommt, die Selbstüberschätzung verführte unsere aufstrebende Jungservicefachkraft zu der Aussage, dass man „heute ohne 81er Läufe ja gar nichts mehr trifft“….“denken Sie nur an Digweed!“ schnodderte jener, der Provision schon sichere, dumpfe Ladenschwengel.
Wie wir alle wissen, folgt auf die Anmaßung der Hybris, stets die Rache der Nemesis und diese sah dann so aus, dass der Käufer samt seiner alten DF genervt aus dem Laden flüchtete und sich sein neues Schießgewehr im sonnigen Italien zusammenstellen ließ, wo man erwachsene Fachleute hat und wo man auch noch mit 71er Läufen trifft.

Come in and find out.! 😉

Recht hatte er, der gute Jäger aus der Geschichte, denn er wusste aus Erfahrung, dass die Lauflänge etwas sehr individuelles ist, bei deren Auswahl der Rat eines Verkäufers meist eher deplaziert wirkt.

Die Lauflänge wirkt sich einmal auf die Führigkeit einer Jagdwaffe aus und sollte somit an die Jagdgewohnheiten und Revierbedingungen angepasst sein.

Bei einer sportlich verwendeten Flinte spielt erst mal die zu schießende Disziplin eine Rolle.
Da jede Sportart ihr spezifisches Schwungprofil besitzt ,muss die Waffe und die Lauflänge hierauf abgestimmt sein.

Zur Veranschaulichung:

American Trap:

Enger präziser Schwung,büchsenhafte Präzision bei minimalen Bewegungen.
Ein einzelner, schwerer, extrem langer und entsprechend träger Lauf.

Trap
Der Schwung ist präzise, aber nicht ausladend und braucht nicht abgebremst zu werden.
Ein langer träger Lauf ist hier ideal.

Doppeltrap
Auch hier wird präzise und moderat geschwungen;
Aber der Schwung muß abgebrochen und neu aufgebaut werden, um die zweite Taube zu beschießen.
Hier braucht’s einen weniger trägen, etwas kürzeren Lauf.

Skeet
Schnelles Schießen und weites Schwungprofil.
Blitzschnelles Wechseln des Schwungs bei den Doubletten erfordern einen kurzen dynamischen Lauf, bei einer kurzen Gesamtlänge.

ZZ/LP
Unvorhersehbare Schwungweiten bei sehr präziser Schußabgabe.
Hier findet eine dynamisch gewichtete Flinte mit moderaten Lauflängen ihren Einsatz.

Englisch Sporting
Weite und enge Schwünge wechseln sich ab.
Aber gerade die extremen longflowters bedürfen eines langen Laufes, in einer nicht zu schweren Flinte.

FITASC
Bisher fast wie english sporting;…nun, nach einer Regeländerung sind moderate Lauflängen und moderate Gesamtgewichte auf dem Vormarsch.
Extrem kurze und realistisch weite Tauben wechseln sich ab und/oder bilden Doubletten.
Die Jagdnähe ist offensichtlich.

Die Jagd
Was nun das Waidwerk mit der Flinte angeht, so gilt :
Die Lauflänge welche dem Schützen in seinem Revier das Optimum an Beweglichkeit und beim Schwung die größtmögliche Ausgeglichenheit bietet, ist ideal.
Hier entscheiden zumeist schlicht die Körpermaße des Schützen und sein ureigenes
Gefühl für ein harmonisches Waffenhandling.

So wird sich ein Schütze mit 1,75 bis 1,80 sicher mit einer 71 er Flinte gut fühlen, während der Mann mit 1,90 sicher eine 76er Flinte besser schwingen kann.

Und wer mit 1,95 und einer 81cm Lauflänge auf der Gänsejagd sein Heil versucht ,ist sicher auf der richtigen Seite.

Harmonie ist alles beim Schwung !

Um diese Gleichmäßigkeit zu erreichen, sollte man wissen, wie und wo der Schwung entsteht.

rear2-mittlere-webansicht.jpg

Nicht die Arme schwingen die Flinte, sondern die Muskeln im Rücken.
Die Drehachse ist also bei Horizontalschwung das Rückrat.

Die Schultern werden zur Flugrichtung gedreht, die Ober-Arme besorgen den Höhenausgleich und die Unterarme und die Finger der Führhand kontrollieren, bremsen , beschleunigen…kurz , sie ergeben das Feintuning des Schwunges.
Nun wird klar, dass wir nicht Läufe /Lauflängen schwingen, sondern ganze Waffen, denn der Drehpunkt des Schwunges ist nicht der Schwerpunkt der Waffe.

Jener hat die Aufgabe einen möglichst ausgeglichenen und ermüdungsfreien Führungswinkel des Führungsarmes zu ermöglichen.
Weite Bewegungen sollen unverkrampft und ohne Handwechsel in vertikaler und horizontaler
Achse durchgeführt werden können.

Wir schwingen also das ganze Gewehr auf ganzer Länge !

schwungachse-und-schwungmasse-mittlere-webansicht.jpg

Ergo ist sogar der Waffentyp,ob BDF oder SLF beim Schwung nur sekundär, solange das „Gesamtverhältnis Schütze- Waffe – Aufgabe“ stimmt.

Und genau deshalb kann und darf man die Lauflänge nicht vom Rest der Waffe isoliert ansehen.
Sonst wär’s einfach:
Kurzer Lauf > schneller Schwung …….. langer Lauf >langsamer Schwung

Diese Gleichung mag zwar stimmen, ist aber dennoch nur ein Teilaspekt.

Ebenso wichtig ,um das gewünschte Schwungprofil zu erreichen, ist der Schütze selbst.
Neben seiner Gesamt-Länge, ist es auch wichtig, wie lang seine Arme sind, wie lang Hals und wie breit die Schultern, welche Form der Brustkorb hat und ob er/sie über- oder untergewichtig ist.
Wie ist die Beweglichkeit im Schulterbereich, wie opulent und trainiert die Rückenmuskulatur?

Keine Angst, hier muß keiner was vermessen, testen oder beurteilen !
Das tut der Schütze selbst, in dem er einfach verschieden Lauflängen an ein und derselben Waffe austestet.

Wir spüren, wenn unser Körper sich harmonisch bewegt; wir merken, wenn Muskeln im Rücken Spannung aufbauen oder ermüdungsfrei den Oberkörper drehen.

Hören Sie also auf Ihren Körper beim Flintenschwung!
Beachten Sie aber bei einem Test mit verschiedenen Lauflängen, dass die Flinte immer gleich lang geschäftet sein sollte und dass Senkungen nicht zu sehr von einander abweichen.

Eine recht preiswerte Möglichkeit des Testen im Bereich von 5 bis 10 cm sind sogn. Laufverlängerungen.
Einige Firmen bieten solche Choke-ähnlichen Teile an, die einen ersten Eindruck vemitteln können ,wie sich die bisherige Flinte mit längeren Läufen schwingt.

Ein mehr an Lauflänge ist meist auch ein Mehr an Gesamtgewicht. Bis zu 170 Gramm kann so was schon mal ausmachen!

Nicht alle Schützen sind muskelbepackte Kraftmeier und auch bei trainierten Kaderschützen kommen Ermüdungserscheinungen vor , wenn die Waffe zu schwer wird.

Hier können unterschiedliche Laufprofile, ventilierte Zwischenreifen oder das Weglassen der jener Zwischenschienen helfen.

Doch wird nicht nur nach immer längeren Läufen gefragt.
Es gibt auch gute Gründe für die kurzen dynamischen Flinten.

Nun aber bitte…nicht gleich wieder die uralte Litanei:
„Mit kurzen Läufen stochert man nur“.

Nein, liebe Freunde das tut man nicht.
Schon der olle Robert Churchil hat bewiesen ,dass man, wenn man klein,rundlich und zu kurz für langes Schießgerät ist ,ganz formidabel mit einer 25Zoll (63,5cm) Lauf-Flinte schießen kann.

Das „Stochern“ ist nichts anderes, als das ruckartige und ungleichmäßige Schwingen einer Flinte .
Es entsteht, wenn sich der Schütze keine Zeit für einen sauberen Anschlag nimmt und aus einer verkrampften Grundhaltung die Flinte mit nach oben und unten kippelnder Mündung, zur Schulter schlenkert.
Was danach aus fast hysterisch empfundenem Zeitmangel passiert, sind ruckartige horizontale und wedelnde, vertikale Bewegungen der Flinte.> kurz Stochern

Das zu vermeiden ist ganz einfach, in dem man die Flinte aus einer entspannten Grundhaltung ohne Kippbewegung zur Schulter und zum Ziel hebt und dabei schon den Grundschwung des Oberkörpers zur Flugrichtung des Zieles einleitet. > Stochern unmöglich…nicht mal mit ner Spielzeugflinte
😉

Wer aber ans Stochern weiter glauben mag ,möge dies tun.
Meinen Segen hat er und auch gleich für weiteren Unsinn;…wie zum Beispiel das Gefasel dass die Deckung der Schrotgarbe von der Lauflänge abhänge.
Viel Spass im brösigen Urschlamm des Flintendampfgeplauders. 😉

Viel Schützen die jagdlich aktiv sind, schwören auf relativ kurze Läufe, obwohl sie bei Wettkämpfen gerade mit den langen Rohren vordere Plätze erreichen.

Führigkeit, Handling und ein fast symbiotisch harmonisches, instinktives Schießen auf der Jagd erklären das Suchtpotential der kurzen Läufe.

Wie individuell die Laufauswahl sein kann ,dazu hier einige Beispielbilder .
Die Schützin ist 1,65 groß und ca 55 kg schwer.

bdflang22-mittlere-webansicht.jpg

Eine schwere Wettkampfwaffe mit 76cm Lauf.
Zu lang für die Schützin, weil zuviel Waffengewicht den Schwung bremsen würde.
Ermüdent für lange Serien. Führt unweigerlich zu Übersäuerung der Armmuskeln

df2-mittlere-webansicht.jpg

die berühmte XXV Churchill – Flinte mit 64cm Lauf.
Sehr dynamisch, leicht im Handling,wird aber durch ihre Gewichtung leicht übersteuert.
Dennoch ideal bei kleiner Körpergröße und schnellen, kurzen Tauben… und selbst den bösartigsten Überkopffasanen.

pg2-mittlere-webansicht.jpg


ein Extrem : Die 870 Pumpgun in Stahlbauweise.
Extrem kurz dennoch extrem schwer (gleiches Gewicht wie die Wettkampfflinte)
Der weite Griff der Führungshand relativiert sich bei größeren Menschen und ist bei der
Schnellen Zielerfassung derartiger Waffen hilfreich.
Bei Menschen unter 1,75 wird der Führungswinkel allerdings zuweit , das Schießen ermüdet nach kurzer Zeit.
…übrigends wurde das Schwungbild einer Pumpgun mit leichter Alubasküle ,Kurzem Magazin und längerem Lauf bei unseren Blindversuchen als genauso „bescheiden“ beurteilt…

mir202-mittlere-webansicht.jpg

der Idealzustand
71cm Läufe bei einer gleichmäßig im Gewicht reduzierten Flinte .
Dadurch ermüdungsfreies Schießen.
Führungswinkel ideal für optimale Wendigkeit aus Schulter und Führhand.
Ein Schwungradius der sowohl für lange, wie kurze Tauben bei der gegebenen Körpergröße ideal ist.

Man störe sich nicht an Kalibern,denn dasThema ist der Zusammenhang Waffen-Gewicht-Lauflänge- Schwung und dies ist vom Kaliber wie vom Geschlecht unabhängig.

Lauflänge und Schwung hängen also von einander ab.
Aber Aufgemerkt Herr Nachbar!
Auch die Verdientsmöglichkeiten einfallsreicher Menschlein sind damit verbunden !
Seit vielen Jahren geht schon das Lauflängenspiel und es macht nicht den Anschein, dass es bald endet.
Eine neue Runde läutet jetzt der internationale Parcourszirkus ein.
Nachdem die Läufe immer länger wurden…weil die Tauben immer weiter und unrealistischer flogen…da fällt nun laut Reglement der FITASC ein:
Jetztatle schießen wir wieder wie auf der Jagd! 😉
Fein!
Und promt kommt ein fröhlicher Italiener aus Umbrien namens Spada und schießt mit kurzem Püster den großen Herren einen vor.

Schwupps, schaltete Mr.Digweed, seines Zeichens englischer Flintengott, sofort um eine Nummer zurück und schießt nun auch gleich eine kürzere Flinte.
Was wiederum das Startsignal für allen andern Parcoursschützen ist, es ihm gleich zu tun.

Nun kann’s also nicht lange dauern, und es bricht wieder eine Welle von „Innovation“ über uns herein und kurze Läufe werden uns wieder von jedem Fachverkäufer, Lohnschmieranten und Marketinggenius als das einzig Wahre, Echte und Gute empfohlen.

Was da hilft ist einfach : selber ausprobieren!

Bunduki

aktuelle Kurse

…und auch diesmal leider wieder der Hinweis liebe Puller und Pseudoausbilder:
Bilder und Texte unterliegen dem copyright von Onkel Bunduki,der langsam stinkig wird, wenn er nochmal seine Texte und Bilder
als „Ausbildungshilfe“ findet.

Dieser Beitrag wurde unter Bundukis Flintenlehre veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Kommentare zu Lauflängen und Schwung … was ganz persönliches

  1. Brian sagt:

    Schöner Blog, hat mir gut geholfen! Hab in nem Fachbuch von Klaus Reinhard gelesen, daß für sportl. Trap 71cm Lauflänge ungenügend lang ist und somit mind. 75cm Lauflänge aufweisen sollte!

  2. Bunduki sagt:

    beim sportlich Trap ist ein langer Lauf Standard ab 75 cm…aber was lang ist, bestimmt ganz subjektiv der Schütze und stellt es zu seiner Größe in Relation.
    UND : sportlich Trap wird im Voranmsclag geschossen,genau wie american-Trap,american-Skeet und american-Sporting
    und damit sind Lauflängen beim anschlagen weniger wichtig als bei den internationalen Skeet und Parcoursdisziplinen UND natürlich der Jagd

    B

  3. Chris sagt:

    Sehr interessanter Beitrag, ich werde mich wohl für eine Flinte mit der Lauflänge 66cm entscheiden und hoffe dabei auch bei der Gänsejagt trotzdem das ein oder andere Stück erlegen zu können.

Schreibe einen Kommentar