American shotguns…Exoten oder Trendsetter

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Spricht man bei uns über amerikanische Flinten, kommen zunächst die beiden Remington flinten 870 und 1100 ins Gespräch.
„Klar, weil der „Ami an sich“ ja von Flinten so wenig versteht ,dass er eigentlich nur Vollernter produzieren kann… „

Nach ner Weile fällt dann irgendeinem ein ,das dieser J.M.B. auch so ein Amerikaner war und Browning gar KEINE Europäische Firma ist. Uuups !
Und so eine Superposed ist ja was feines, auch schon wenn sie mit dem Kürzel FN verkleidet wird.
Haben die Amis also tatsächlich auch gute Flinten gebaut?
Auch wenn’s später von Pommesessern und Japanesen gebaut wurde und von allen anderen kopiert…wer hat’s erfunden?

Bei uns ist der US Markt nur interessant, wenn’s drum geht, in Foren den einheimischen Händlern Habgier bei Munition und Neuwaffen zu unterstellen.
Mehr als Billig-Preise kennt man bei uns eben nicht,im Land der Flintendiaspora und der geizgeilen Internet-levantiner.
Doch wie immer, ein tieferer Einblick in die Amerikannische Waffenwelt beschert Überraschungen.

Keine Nation hat den Flintenbau weiter und intensiver beeinflusst, als die Amerikaner.
Und dies lag und liegt, an ihrer pragmatischen Einstellung zu Neukonstruktionen, die immer unter dem Vorbehalt „form follows function“ standen.

Natürlich sind die Inselbewohner Greener und Co. die großen Entwickler gewesen, deren
komplett überzüchtete Bestguns fast ebenso dekadent sind, wie die mikroskopische Kundenschar ,die sie heute noch findet.
Natürlich sind „english best“ sakrosant, überirdisch schön und nur mit weißen Handschuhen zu begreifen…

Die Amerikaner haben Allround-waffen entwickelt, mit „features für jedermann„.
Luxuswaffen waren luxuriöse Ausgaben von Serien-waffen , nicht wie die in Europa, in denen sich selbst bei den Jagdwaffen eine klare soziale Klassentrennung manifestierte.

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Bei aller Begeisterung ob englischen Handwerks (es ruhe sanft ),sind es die Amerikaner gewesen, die moderne Jagdflinten für das 21 Jahrhundert tauglich machten.

Ohne Scheuklappen ist dies auch leicht zu erkennen.
Der US Markt war immer ein Massenmarkt.
Waffen waren Werkzeuge für jedermann, die unter den härtesten Bedingungen benutzt wurden.
Flinten mussten die Familien ernähren, denn sie waren billiger als Büchsen.
Ein Zubrot als Marktjäger war nicht selten und auch hier war die Flinte die Waffe der
Wahl.
Flinten mussten Enten und Gänse erlegen, Wachteln und Hasen schießen und Haus und Hof verteidigen.

Wie einfach hatten es da doch englische Flintenbauer?!
Sie mussten seiner Lordschaft nur einen edlen Püster bauen, der meist nur eine Jagdform wie eine Patronensorte sah.
Die weiten Fasane, überkopf getrieben und die Waffe vom Domestiken geladen.

Während Jimmy und Johnny in den smokey hills auf einen Turkey hofften, taten sie dies meist mit billigen belgischen Flinten, die clevere Geschäftsleute nach Amerika verkauften.
Diese Flinten taugten wenig und so wurde der Ruf in den USA nach qualitativ guten Waffen die für den „average guy“ bezahlbar waren, lauter.

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Auch heute noch liegt der durchschnittliche Preis einer verkauften Waffe in den USA wesentlich unter dem einer in Europa verkauften.
Dies liegt daran ,dass der US outdoor-mensch auch noch fischt ,Camping macht und fleißig auf den Schießplatz geht und somit auch einen Berg von Munition verballert…just for fun.
Und wenn 300 Millionen potentielle Kunden warten, kann nicht nur günstiger produziert, sondern auch importiert werden.

Und so machten sich die US Waffenbauer schon ab dem 19.Jh auf, ihren Markt auf ihre Weise zu bedienen .

Sie sahen das, was Europa zu bieten hatte und passten es ihren Bedürfnissen an.
Ein Beispiel:

Die Amerikaner wollten stabile Waffen, welche die immer neuen und stärkeren Patronen problemlos verdauten.(… bis zum heutigen Tage)
Ergo wurden die Verschlüsse stabil und auch massiger.
Ähnlich dachten übrigens auch die Deutschen, denen die englischen Flinten Verschlußtechnisch oft zu leicht waren.

In beiden Nationen entstanden extrem stabile Verschlüsse, die in Deutschland aber meist zum Rest der Waffe überproportioniert wirkten.
Da sich längst der Vorteil des Pistolengriffes an Waffen durchgesetzt hatte, fertigten Deutsche und Amerikaner Flinten mit Pistolengriffen.
Allerdings fielen diese in Suhl und Co immer zu schlank , zu fragil und optisch fast fehl am Platz aus.
Der Splintervorderschaft, von den Engländern kritiklos übernommen, tat ein Übriges dazu, die Waffe ein wenig schräg aussehen zu lassen.
Es bedurfte Generationen von Schwätzern, diesen Eindruck beim heutigen Käufer von Gebrauchtschrott zu verdrängen.

Der Vorderschaft dient zur Führung der Hand…so steht’s in der Flintenbibel geschrieben!
Der Inselmensch ignoriert dies, verbrennnt sich tierisch die edlen Pfoten am Lauf und lobt ein Holzstückchen als klassisch ,das mal gerade ein paar Beschläge bedeckt.
Nichts anderes als einer dieser köstlichen brasilianischen Bikinihöschen…Hübsch, aber eben nit so praktisch…

Der Amerikaner, durch wilden Westen, Indianerangriffe und Brutalkapitalismus
komplett verweichlicht, hatte keine Lust sich die Finger zu verbrennen und benutzte den sogn Biberschwanz-Vorderschaft, welcher die Läufe besser bedeckt und der Hand eine besser Führung gibt.
Und weil der Pistolengriff recht praktsch ist, führte er ihn in eine großzügigen Kurve aus, mit genügend Substanz auch für größere Hände.

Und als Frage an die Flintenweisen : wenn der Doppelabzug einen geraden Schaft braucht,damit „die Hand gleiten kann“,warum haben dann Safariwaffen aus England immer einen Pistolengriff?? Uups?
Because the lion sleeps tonight?
oder weil Schweine (Löwen) nicht flegen… 😉

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Zurück zu den Kollonialisten.

In den USA setzte man von Anfang an darauf für beide Läufe einen Abzug zu benutzen.
So ersparte man sich Zeit beim „Gleiten“,vermied Fehlschüsse und war technisch vorneweg.

Das Überbohren von Läufen ist eine uralte Technik, um mehr Leistung bei weniger Schützenbelastung aus einer Schrotladung heraus zu holen. Lange Jahre wurde damit experimentert.
Wo? In den USA.

Der Parallelschaft, heute vielfach Standard in den USA, hat immense Vorteile, bei uns fast unbekannt, obwohl die Idee aus Europa kommt.

Ventilierte Schienen,Hilfskörner,verstellbare Serien–Schäfte, spezielle Trap Waffen…
Vieles von hier und doch nie beachtet worden…in den USA einfach nur auf seine Vorteile untersucht, vereinfacht und gebaut.

Bei Doppelflinten fällt die überwiegende Präsenz von Boxlocks ins Auge.
Dies ist einfach zu erklären.
Ein gut gefertigtes Boxlock, ist einem nicht erstklassigen Seitenschloß, allein schon von den
Herstellungskosten, weit überlegen.
Die Liebe zum Seitenschloß erwachte erst jetzt in den USA, durch den Sammlermarkt.

Boxlocks einer Winchester 21 oder einer Parker sind „second to none“.
“Form follows function and reliability kills he cat!”
Seitenschlosse sind für sensible Sammleraugen unter der Spezialbeleuchtung auf grünem Samt ein Genu߅draußen wird aber gejagt!

Amerikanische Schrotflinten sind begehrte Sammlerobjekte…in Amerika.
Bei uns sind selbst die größten Marken und Modelle unbekannt, wie man allgemein über den
Amerikanischen Flintenmarkt und die US Flintenwelt bei uns wenig weiß und wissen will.

Da ruhen wunderschöne besterhaltene Winchester 21 auf Ewigkeiten in Schränken ,wenn der Besitzer nicht mit absurd niedrigen Preisen vorlieb nimmt.

Und nicht vergessen:
Als man bei uns noch erbitterte Streitgespräche führte, ob eine Büffelkappe am Schaft einer volkseigenen DF jagdspasstötend sei, weil nicht im Frevert erwähnt, da hatte der
Konsument von Maiskolben ,Steak und Millers-brew, längst schon Doppelflinten mit Wechselchokes , Magnum Lager, verlängerten Übergangskonen und Einabzug.

Vergessen wird gerne J.M.Browning, der neben der ersten massentauglichen BDF auch die ersten halbautomatische Flinte entwarf ,die neben den DFs und BDFs bestehen konnte.

Vergessen wird auch, dass eine der besten Sportflinten der Welt „Unsere Krieghoff“
nichts anderes ist, als eine Remington 32 die den Leuten aus Illion zu teuer geworden war.

Vergessen und geflissentlich übersehen werden auch neuzeitliche Entwicklungen ,die bei uns erst mit einiger Zeitverzögerung zum Tragen kamen:
Die Weicheisen-Problematik .
In Europa und gerade bei uns, unglaublich verbissen gesehen, dogmatisch und sinnloß emotional geführt, wird in den USA an den Problemen gearbeitet statt zu jammern.

Die Jäger haben keinerlei Probleme Wasserwild-Jagd (mit WE)(Waterfowl) und den Rest der
Flugwildjagd ( upland game) gedanklich und waffentechnische zu trennen.
So werden Wachteln mit wachsender Begeisterung mit Cal 28 geschossen, das Cal 20 ist jagdlich und sportlich allgegenwärtig und man freut sich darüber, lieber 2 Jagdwaffen ausführen zu können, als sich kindisch maulend in die Ecke zu stellen und zu schmollen.
Man winselt nicht, weil die 20er teurere ist als die 12er,man promotet mehr solcher Waffen und schwupps ,der Markt reagiert und die Munition wird billiger…
Man verdammt keine 28 als untauglich, nur weil man selber keine Jagdmöglichkeiten hat…
…und man will sportliches Flintenschießen natürlich mit allen Kalibern

Es geht eben mit weniger Verbissenheit und Dünkel über grüne Abiturzettel manches wesentlich leichter.

Alle Jahre neue Ladungen mit Alternativschroten und dennoch immer mehr Leute, die an alten Waffen auch praktischen Spass haben.
Auch wenn der Spass manchmal richtig skuril wirkt:
The vintagers

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Hier nun ein kleines Quellenverzeichnis für zukünftige Freunde der amerikanischen Waffen:

The old Reliable
Alles began in einer Knopffabrik, machte einen Umweg über Kaffeemühlen und endete in der Quintessenz amerikanischen Waffenbaues
Parker war der Urtyp des Us Waffentüftlers und Unternehmers

Der Große Name Winchester erreichte erst durch das model 21 seine wahre Größe

Winchesterflinten by Dennis Adler

Das Model 21 von Ned Schwing

Winchestersammlerorg

win 21

Großartige Privatseite für 21er fans
Mikes winchester 21 page
Dank für den Link an Frater Farn vom „ehrwürdigen Orden der befreiten Doppelflinten“

Kein Geschäftsmann,eher Schütze,Jäger und Abenteurer
Ansley H. FOX

Von T.Roosevelt geschätzt,von Besitzern bis heute geliebt
A.H.Fox,the finest gun of the world von M.McIntosh

Sammlerorg

Auch der größte Waffenhersteller hat mal ganz besondere Waffen gebaut:
Remington double shotguns

Remington 32 sammlerwissen

Remington 32 Käuferappetit

Sammlerorganisation

Die Ithaca
Bis heute Kult ob als Pumpe oder DF…
Eine Firma die Genies anzog,die heute weitestgehend vergessen sind.
Einige haben hässliche Hosen zum Geldverdienen gebaut und hießen Knickerbocker 😉
Ithaca buch

Ein Tüftler und Problemlöser ,Querdenker und Ästhet
D.M. Lefever

Kaum jemand, der ein besseres Team hatte wie:
L.C.Smith
Brown und Baker übersetzten für ihn Greener und Co. und schufen zusammen eine Legende.

Mehr Information über diese Waffen findet der Leser
Hier:

American Double shotguns

Bilder um auf den Geschmack zu kommen bei den entsprechenden Händlern:

Eine Firma die alte Waffe in Amerika wieder aufleben lässt und teilweise sogar besser herstellt als sie frührer gefertigt wurden
Connecticutshotguns

Katalog

Cabelas Gun room

orvis gun room

Viel Spass beim Blick in eine ganz andere Flintenwelt mit wunderschönen Waffen und skurrilen Erfindern und Unternehmern.

Vielleicht erkennen Sie ja, dass auch andere Mütter schöne Töcher haben, auch wenn sie nicht aus England, Italien oder Spanien kommen.

Yours truly

Bunduki

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2 Kommentare zu American shotguns…Exoten oder Trendsetter

  1. Burghard Klintworth sagt:

    Ein schöner Beitrag, auch wenn ich an einigen Stellen einige Informationen hinzu fügen würde.

    Nun mein eigentliches Anliegen:
    Ich kaufte vor Jahren mal „im Vorbeigehen“ eine Fox Sterlingworth. Die Flinte hat mich immer begeistert, auf der Jagd und auf dem Stand. Leider gab ich sie mal einem Jungjäger in die Hand, der damit 7 Stück Wild mit 7 Schuss erlegte. Der junge Mann ließ nicht mehr locker, DIESE Flinte wollte er haben!. Irgendwann gab ich nach, jedoch unter der Bedingung, dass die Waffe erst für 70mm Patronen beschossen werden müsse.
    Damit begann der Anfang vom Ende.
    Die Flinte wurde bislang 3mal vom Beschussamt Köln ohne die begehrten Zeichen zurück gesendet. Der Verschluss öffnet um 2Zehntel Millimeter, 1 Zehnte dürfte er. ….
    Was tun?
    Verschrotten möchte ich eigentlich nicht – aber welche Möglichkeiten bleiben? Der Büchsenmacher rückt die Flinte so nicht wieder raus.

    M f G

    Burghard Klintworth

  2. Bunduki sagt:

    Unsere Beschußämter arbeiten mit Kopf und (aus eigener Erfahrung) mit Herz.

    Eine Waffe abzulehnen fällt sicher schwer ist aber wohl das beste für Waffe und Besitzer.

    Eine Fox restaurieren zu lassen ist sicer möglich aber ob der finazielle Aufwand lohnt,sei dahgingestellt.
    Zu Bedenken ist auch dass sie beschossen auch nur eine sehr geringe Jungjägereignung hat,da WE nicht verschossen werden kann.

    Auch eine gute Flinte hat ein Anrecht auf den Ruhestand …

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